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Nichtorganische Insomnie
Akute (situativ oder reaktiv bedingte) Insomnie
Für diese Form der Schlafstörung gibt es viele Synonyma, zum Beispiel: "Anpassungsbedingte Schlafstörung", "psychoreaktive", "situative", "temporäre" Insomnie und viele andere Bezeichnungen. Diese Schlaflos igkeit tritt als unmittelbare Folge einer akuten äusseren psychischen oder physischen Belastung auf (z.B. Krankenhausaufenthalt, finanzielle Sorgen). Diese Schlafstörung gehört zu den häufigsten überhaupt; jeder Mensch kennt kurzdauernde Phasen von schlechten Schlaf, die auf einen identifizierbaren Stressfaktor zurückzuführen sind und mit dessen Ende auch aufhören. Definitionsgemäß tritt sie nicht länger als vier Wochen und nicht öfter als in drei Nächten pro Woche auf.

Psychophysiologische Insomnie
Die psychophysiologische Insomnie ist eine der häufigsten Formen chronischer Insomnien. Klinisch im Vordergrund steht ein ungenügender Schlaf, verbunden mit einer reduzierten Leistungsfähigkeit am Tage. Die psychophysiologische Insomnie wird auch als "erlernte" oder "konditionierte Insomnie" bezeichnet. Das Krankheitsmodell postuliert, daß die Insomnie ursprünglich als Reaktion auf eine akute oder chronische Belastung entstanden ist, sich dann aber verselbständigt hat. Zur Chronifizierung tragen unter anderem dysfunktionale Verhaltensweisen und Kognitionen bei. Nicht selten findet sich ein "circulus vitiosus" von Erwartungsangst und schlechtem Schlaf. Das Einschlafen fällt um so schwerer, je mehr es "herbeigewünscht" wird; in monotonen Situationen dagegen schlafen diese Patienten oft problemlos ein.Die Insomnie ist nicht durch eine andere somatische oder psychiatrische Erkrankung erklärbar (in anderen Klassifikationssystemen wird diese Erkrankung auch als "primäre Insomnie" bezeichnet); besonders wichtig ist hier die Abgrenzung von Insomnien bei psychiatrischen Grunderkrankungen, z.B. bei Depressionen oder Angststörungen. Das bedeutet nicht, daß diese Patienten "psychisch unauffällig" sind; die Chronifizierung der Insomnie, die reduzierte Leistungsfähigkeit gehen oft einher mit unzureichender Streßbewältigungs- und Problemlösekapazität. Allerdings finden sich keine ausgeprägten psychopathologischen Symptome, die es erlauben würden, eine psychiatrische Diagnose zu stellen.

Paradoxe Insomnie ("Fehlbeurteilung des Schlafzustandes")
Bei dieser Störung wird der Schlaf subjektiv als sehr schlecht und wenig erholsam wahrgenommen, während die Schlaflaboruntersuchung keine nennenswerte Schlafstörung objektivieren kann. Dies wird auch als Schlafwahrnehmungsstörung oder Pseudoinsomnie bezeichnet, und die Beschwerden, wie auch die Behandlung, ähneln der der psychophysiologischen Insomnie.

Idiopathische Insomnie
Im Gegensatz zur psychophysiologischen Insomnie hat sich diese Form der chronischen Insomnie nicht erst allmählich im Laufe des Lebens entwickelt, sondern besteht schon von Kindheit an. Sie zeigt im Verlauf keine nennenswerten Fluktuationen, ist also relativ unabhängig von situativen Bedingungen.

Insomnie im Rahmen einer psychischen Störung
Die Schlafstörung ist das im Vordergrund stehende und behandlungsbedürftige Symptom einer zugrunde liegenden psychischen Erkrankung. Die Patienten erleben die Schlafstörung häufig als Ursache ihrer psychischen Beschwerden und die eigentliche psychische Störung wird erst nach einer gezielten Exploration deutlich.

Inadäquate Schlafhygiene
Der Patient klagt über Insomnie oder ausgeprägte Schläfrigkeit, die hervorgerufen wird durch Verhaltensweisen und Aktivitäten, die mit einem erholsamen Nachtschlaf und voller Funktionsfähigkeit am Tage nicht vereinbar sind. Dazu gehören beispielsweise unregelmäßige Aufsteh- und Zubettgehzeiten, zu häufige und/oder ausgedehnte Tagschlafepisoden.Auch verschiedene dysfunktionale Verhaltensweisen in der Zeit vor dem Schlafengehen können eine chronische Insomnie hervorrufen bzw. aufrechterhalten: regelmäßiger Konsum von Genußmitteln vor dem Schlafengehen, intensive (körperliche oder geistige) oder emotional belastende Aktivitäten, schlafinkompatible Aktivitäten im Bett, Grübeln etc.

Verhaltensabhängige Schlafstörung in der Kindheit
-Schlafstörung aufgrund mangelnder Schlafdisziplin. Diese Schlafstörung tritt auf, wenn durch inadäquates Verhalten einer Erziehungsperson unangemessene Zubettgehzeiten verstärkt werden. - Einschlafstörung durch Fehlen des gewohnten Schlafrituals: Diese Störung tritt auf, wenn der Einschlafprozeß durch das Fehlen bestimmter Personen, Umstände oder Objekte beeinträchtigt ist. - Durch Nahrungsmittel-Allergie bedingte Insomnie: Eine Störung des Ein- oder Durchschlafens, hervorgerufen durch eine allergische Reaktion - auf Nahrungsallergene. Sie beginnt im Säuglingsalter und remittiert meist spätestens im Alter von 4 Jahren. Häufiges Erwachen, Weinen und Erregungszustände gehören zu den Symptomen. - Durch nächtliches Essen oder Trinken bedingte Schlafstörung: Es treten wiederholt nächtliche Wachperioden auf, wobei ein Wiedereinschlafen ohne Essen oder Trinken nicht möglich ist. Auch diese Störung remittiert meist im Verlauf der Kindheit; sie kann jedoch bis ins Erwachsenenalter persistieren oder sogar bei Erwachsenen neu auftreten.

Insomnie im Rahmen von Medikamenten- oder Substanzmittelmissbrauch
Nach längerdauernder Einnahme von Schlaftabletten (Hypnotika) kann eine Hypnotikaabhängigkeit auftreten; die Diagnosekriterien setzen einen nahezu täglichen Gebrauch über mindestens 3 Wochen voraus. Eine Gewöhnung kann sich als Wiederauftreten einer Insomnie äußern; erfolgt dann eine Dosiserhöhung des Hypnotikums, kann es zu einem Hang-Over-Effekt am nächsten Tag mit verstärkter Schläfrigkeit kommen. Das Absetzen des Hypnotikums bewirkt eine Insomnie, die häufig als stärker erlebt wird als die Schlaflosigkeit, wegen derer die Einnahme des Medikaments begonnen worden war. Am Tage können in der Absetzphase Entzugssymptome wie Nervosität, Unruhe, Übelkeit etc. auftreten.Auch die Einnahme von Stimulanzien kann eine ausgeprägte Insomnie induzieren; nach Absetzen bzw. dem Entzug der Stimulanzien kommt es zu einer Hypersomnie.Auch chronischer Alkoholkonsum kann tiefgreifende Schlafstörungen verursachen. Alkohol verkürzt die Einschlaflatenz, vermehrt den Tiefschlaf und hebt die Weckschwelle. Regelmäßiger Alkoholkonsum führt allerdings zu einer Fragmentierung des Schlafes, die sich vor allem in der zweiten Nachthälfte manifestiert (siehe alkoholinduzierte Schlafstörung). Am Tage kann Alkoholgenuß zu einer latenten oder auch manifesten Tagesschläfrigkeit führen. Abstinenz führt initial zu schweren Durchschlafstörungen, vereinzelt sogar zu völlig schlaflosen Nächten. Es tritt ein REM-Schlaf-Rebound auf, der sich in schweren Alpträumen äußern kann. Die Schlafstörung, die sich auch in einer ausgeprägten Tiefschlafmangel manifestiert, kann nach Abstinenz für viele Monate, sogar für Jahre persistieren.Schwermetalle oder organische Toxine können zu Erregungszuständen mit Insomnie oder aber auch zu zentralnervöser Dämpfung mit Somnolenz führen.
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